DRS erklärt 101: Was ist es und wie funktioniert es?

Das Thema des Pfandrückgabesystems mag für Fachleute aus der Abfallwirtschaft eine gut bekannte Lösung sein, kann jedoch für die breite Öffentlichkeit ein kompliziertes Thema sein, das viele Fragen aufwirft. In diesem Artikel versuchen wir, die häufigsten davon zu beantworten.
Wie funktioniert das Pfandrückgabesystem?
Pfandsysteme sind Modelle, bei denen Verbraucher beim Kauf von Getränken in Einwegverpackungen (meist Dosen und Flaschen) einen kleinen Geldbetrag vorab bezahlen. Dieser Betrag wird ihnen zurückerstattet, wenn sie die Getränkebehälter zu einem Rückgabepunkt bringen – entweder zu einem Rücknahmeautomaten (RVM) oder zu manuellen Handscannern.

Kann man jede leere Flasche und Dose zurückgeben?
Nein, man kann nicht jede leere Flasche und Dose zurückgeben. Der EAN‑Code der Verpackung muss vom Hersteller im System des nationalen DRS‑Administrators registriert sein, und in den meisten Ländern sind rückgabefähige und pfandpflichtige Flaschen und Dosen mit einem speziellen, landesspezifischen Symbol auf dem Etikett gekennzeichnet; zudem ist auch das grenzüberschreitende Zurückgeben von Verpackungen ein aktuelles Thema, da man in den baltischen Staaten beispielsweise dieselben Verpackungen in Litauen, Lettland und Estland zurückgeben kann.
Was tun, wenn es in meiner Nähe keine Rückgabestelle für Flaschen und Dosen gibt?
In diesem Fall ist es am besten, die Flasche nicht zu zerdrücken, da sie sonst im Pfandsystem nicht mehr zurückgegeben werden kann. Idealerweise nimmt man die Flasche einfach mit und gibt sie zurück, sobald man sich in der Nähe eines Rückgabepunkts befindet. Wenn das nicht möglich ist, muss man wahrscheinlich auf die Pfanderstattung verzichten. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Flasche dennoch jemand anderem zugutekommt, der sie zurückgibt – möglicherweise sogar obdachlosen Menschen, die Straßen von solchen Behältern befreien. Deshalb sollte man die intakte Flasche neben einen Kunststoffabfallbehälter stellen; sie wird dann entweder von anderen Bürgern oder von einem Entsorgungsunternehmen bei der regulären Müllabfuhr eingesammelt.
Wie funktioniert ein Rücknahmeautomat?
Ein Rücknahmeautomat (RVM) ist ein Gerät, in das man eine gebrauchte oder leere Glasflasche, Plastikflasche oder Aluminiumdose einwerfen kann – im Austausch für ein Pfand, meist 10–15 Cent pro Verpackung. Er ist eine innovative Möglichkeit, leere Getränkebehälter direkt am Ort des Verbrauchs zu sammeln und die Recyclingquoten durch ein Pfandrückgabesystem zu erhöhen. Weitere Informationen findest du im Artikel über Rücknahmeautomaten in unserer Waste Library.

Welche Materialien sind im System enthalten?
Pfandrückgabesysteme (DRS), die seit vielen Jahren für Glasflaschen genutzt werden, werden heute meist auch auf Kunststoff-Getränkeflaschen angewendet. Aluminium, insbesondere in Form von Getränkedosen, ist ein weiteres weit verbreitetes Material, das weltweit in Pfandsysteme einbezogen wird. Viele Länder erwägen zudem, auch Kartonverpackungen – etwa Saftverpackungen – in ihre Pfandrückgabesysteme aufzunehmen.

Welche Alternativen gibt es zu einem Pfandsystem?
Das Pfandrückgabesystem spielt eine zentrale Rolle im Abfallmanagement und in der Kreislaufwirtschaft. Studien zeigen, dass Pfandsysteme in der Praxis sehr erfolgreich sind und Rücklaufquoten von bis zu 90 % erreichen. Es gibt jedoch Länder wie Belgien, die ähnliche Quoten auch ohne ein eingeführtes Pfandsystem erzielen – vor allem dank eines ausgeklügelten Systems der Haushaltsabfallsammlung sowie gut informierter und disziplinierter Bürger, die zum Recycling motiviert sind. Eine Alternative zum traditionellen Pfandsystem kann auch ein Digital Deposit Return Scheme (DDRS) sein, bei dem Verbraucher den Pfandwert zu Hause einlösen, indem sie den QR‑Code auf der Verpackung scannen und die Verpackung anschließend wie gewohnt in ihre Haushaltsabfallbehälter werfen, die von Entsorgungsunternehmen abgeholt werden.

Flaschenpfandsystem und seine Schwachstellen (und wie man sie beheben kann)
Viele Fachleute sehen die sehr hohen Anfangskosten der Einführung eines Pfandsystems als seinen größten Nachteil. So können sich viele kleine Einzelhändler keinen teuren Rücknahmeautomaten leisten. In der Slowakei wurde dieses Problem beispielsweise durch den Einsatz manueller Handscanner gelöst. Eine weitere Herausforderung bei der Einführung eines Pfandrückgabesystems in neuen Ländern ist die notwendige Veränderung des Verbraucherverhaltens. Für einen Teil der Bevölkerung kann es anfangs ein kleiner Schock sein, beim Kauf eines Getränks ein Pfand zu bezahlen und die Verpackung später zu einem Rückgabepunkt bringen zu müssen, wenn das System eingeführt wird und ihren Alltag beeinflusst. Malta ist das erste Mittelmeerland, das ein Pfandsystem eingeführt hat, und der Geschäftsführer des dortigen DRS‑Administrators sprach von einem großen kulturellen Wandel. Mehr über die Vor- und Nachteile des Pfandrückgabesystems findest du im Artikel in unserer Waste Library.

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